Programm

Interventionsstudie ZEPPELIN 0-3
Signifikante Forschungsergebnisse

ZEPPELIN (Zürcher Equity Präventionsprojekt Elternbeteiligung und Integration) ist in Europa eine der größten longitudinalen Interventionsstudien mit zufallsverteiltem Kontrollgruppenvergleich.

RCT-Studie der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH)

Die Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik (HfH) hat 2009 bis 2011 in Zusammenarbeit mit dem Amt für Kinder und Berufsberatung des Kantons Zürich für die Evaluation von PAT – Mit Eltern Lernen eine zweijährige Machbarkeitsstudie durchgeführt. Die Ergebnisse fielen so überzeugend aus, dass dem Forscherteam die Finanzierung für eine umfassende mehrjährige Studie bewilligt wurde.

Die erste Phase dieser Interventionsstudie ZEPPELIN 0-3 wurde im Jahr 2015 unter der Leitung von Prof. Dr. Andrea Lanfranchi abgeschlossen, sodass im Mai 2016 erste Studienergebnisse publiziert werden konnten.

In der langzeitlich angelegten Studie wird die Wirkung des Programms auf Familien in psychosozialen Risikosituationen evaluiert. In einer randomisiert kontrollierten Versuchsanordnung (RCT) werden mittels Vergleichen zwischen Interventions- (N=132) und Kontrollgruppe (N=116) die Effekte von PAT – Mit Eltern Lernen auf die Entwicklung der begleiteten Kinder und die Wirkmechanismen im Bildungsort Familie untersucht.

Praxiseinblicke

Fragestellung der Interventionsstudie

In der longitudinalen Interventionsstudie wird somit geprüft, ob frühe Förderung ab der Geburt bei Familien in schwierigen Lebenssituationen wirksam ist. Die Hauptfragen sind:

  • Lassen sich Effekte in der kindlichen Entwicklung feststellen?
  • Werden die Eltern in Erziehungsfragen kompetenter?
  • Gelingt es den Familien, sich sozial zu integrieren und an der Gesellschaft teilzunehmen?
  • Ist der Schulerfolg von Kindern mit dem Förderprogramm höher als ohne Förderprogramm?

Forschungsergebnisse der Hauptstudie ZEPPELIN 0-3

Anhand der Belastungsmerkmale der Interventionsgruppe hat sich bestätigt, dass Familien in psychosozialen Risikosituationen erreicht werden konnten. Dies ist vor allem auf den Einsatz lokaler Mütterberaterinnen und interkultureller Übersetzerinnen sowie auf eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Sozialdiensten und Kinderarztpraxen zurückzuführen. Hausbesuche fanden durchschnittlich alle zwei bis drei Wochen statt, was einer erhöhten Inanspruchnahme von Frühen Hilfen entspricht. Die Anzahl der Programmabbrüche – wegen Wegzug, Zeitmangel, Krankheit o. ä. – war mit weniger als fünf Prozent pro Jahr (N = 38) gering.

Unter den mit PAT – Mit Eltern Lernen begleiteten Familien zeigen sich deutliche positive Effekte vor allem in drei Bereichen:

1. Kindliche Entwicklung: Die deutlichsten Effekte zeigen sich in der Sprache, in der Kognition und im Verhalten der mit PAT – Mit Eltern Lernen begleiteten Kinder. Diese verfügen im Vergleich mit Kindern aus der Kontrollgruppe über einen größeren Wortschatz und können sich besser ausdrücken. Sie sind weniger ängstlich, schlafen besser durch und zeigen im Rahmen einiger Experimente eine bessere Impulskontrolle.

2. Erziehungskompetenz: Positive Effekte auf die Erziehungskompetenz der Eltern wurden vor allem in Zusammenhang mit einem besseren Anregungsgehalt im häuslichen Umfeld festgestellt. Die Mütter sind bereits nach einem Jahr signifikant feinfühliger als Mütter der Kontrollgruppe. Zudem läuft der Fernseher bei Familien aus der Kontrollgruppe doppelt so häufig wie bei PAT-Familien.

3. Partizipation: Mit PAT – Mit Eltern Lernen begleitete Familien sind im sozialen Raum besser vernetzt. Sie nutzen Bildungsangebote (bspw. Bibliotheken) signifikant häufiger als Familien der Kontrollgruppe. Fremdsprachige Mütter besuchen öfter einen Deutschkurs. Auch die Kinder nehmen häufiger familienergänzende Angebote wahr (Kitas, Spielgruppen u. ä.) und haben öfter Kontakt mit anderssprachigen Kindern.

Somit ist in der Interventionsphase von ZEPPELIN 0-3 die interdisziplinäre Früherkennung von Kindern, die aus psychosozialen Gründen in ihrer Entwicklung gefährdet sind, mit PAT – Mit Eltern Lernen gelungen. Eine intensive und fallbezogene frühe Förderung dieser Kinder, mit dem Ziel, ihre Bildungschancen langfristig zu erhöhen, wurde ebenfalls erreicht. Die Frage, ob eine frühe Förderung mit PAT – Mit Eltern Lernen die Bildungschancen tatsächlich längerfristig erhöht, kann jedoch erst in späteren Untersuchungen beim Schuleintritt der Kinder in den Jahren 2017 bis 2021 (ZEPPELIN 5-9) und beim Übergang in die Sekundarstufe I in den Jahren 2023 bis 2025 (ZEPPELIN 12-13) beantwortet werden.

Stand der Forschung:
Follow-up ZEPPELIN 5-9

Derzeit läuft mit ZEPPELIN 5-9 das erste Follow-up zur Hauptstudie. In dieser zweiten Forschungsphase wird die langfristige Wirksamkeit von früher Förderung untersucht. 2017 wurden die inzwischen fünf Jahre alten Kindergartenkinder, die an der Hauptstudie teilgenommen haben, erneut getestet. Auch hier bestätigten sich die positiven Ergebnisse aus der Hauptstudie (ZEPPELIN 0-3) im Bereich der kindlichen Entwicklung, v. a. hinsichtlich der Sprachentwicklung und im Anregungsgehalt der häuslichen Lernumgebung. Hingegen gab es keine signifikanten Gruppenunterschiede in den mathematischen Kompetenzen und in der Kognition.

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